Moorgestraich - Rückblick
02.00 Uhr
genug rumgewälzt! Vo Pfuus war eh keine Rede. Erstens sind mir die drei Pfund Schoko-Trüffel, welche mir die Chaisen der Exquisite als «EVENT-itis» und SPINN-itis-Gag an einen Frühlingsast geknöpft und in die Dachkammer des Drei Könige geschickt hatten, wie betonierter Kleister in meinem Ranzen gelegen. (Sälber tschuld, worum muesch au alli uffs Mool ynehoovere?!) Und zweitens war auf den Strassen ein Saulärm. Von «heimeliger, gespenstischer Morgestraich-Nacht» keine Rede mehr. Seit die Beizen ihre Tore auf den Vier-Uhr-Schlag hin offen halten, wird die sonst 362 Nächte dahindösende City zur schrillen Wumba-Wumba-Disco. Spätestens um ein Uhr morgens grölen sie das FCB-Lied und eine Stunde später die österreichische Nationalhymne. Na wunderbar! Als sie dann aber noch vor dem Spiegelhof mit dem Schunkellied «Am Rosenmontag bin ich geboooren» anfingen, da habe ich es keine Sekunde mehr auf meinem Kissen ausgehalten. Zusammen mit 10 000 Landschäftlern habe ich mich auf die Socken zum Morgestraich gemacht.
03.00 Uhr
es wäre kein Morgestraich, wenn wir nicht bei der Schifflände dem Wetterhäuschen die Reverenz erweisen würden. Der Hygrometer steht auf 66 «Feuchtigkeit» (mag sein, dass da noch die ersten Bierwolken der Übernächtigten zu Buche schlagen), das Thermometer steht bei piccolofingertechnischen idealen 7 Grad. Und das Barometer auf «schönes Wetter!».
LUFTSPRUNG!
Wenn das keine Mega-Meteo-Voraussichten für eine wunderschöne Morgestraich-Nacht sind ? do gumpt e jeede Basler. Und wie tönt es aus der Muttenzer Kurve doch so schön: wer nicht vor Freude gumpt, isch kai Fasnächtler! Nun ja, zumindest in etwa?
03.15 Uhr
d Glunggi tragen ihre Lampen vor den Märt. Noch sind die Laternen zappenduster ? aber bei der Alten Garde ahnt man wunderschöne Sandsteintöne. Und somit auch den Engel über dem Münster ? da entziffern wir dann auch:
Bevor's am Morgestraich duet hoorne
lueg d Lampe aa ? dasch vorne!
Genau das machen wir. Und bewundern den Glunggi-Stamm, der ein heikles Thema mit viel Fingerspitzengefühl angeht: urbi et paedophili. Auf der Laterne wird ein Kind im Regen stehen gelassen. Ein kleines Mädchen schaukelt auf einer Rytty ? über ihm droht der Schatten eines Kirchenmannes:
Was s Zölibat uns lehre duet:
Flaischesluscht, die isch nit guet
(doch derfsch dy nit an Froide laabe
gryffsch hungrig denn ze Mäss-Choorknaabe).
Da läufts einem kalt den Rücken herunter ? wie auch bei den Basler Dybli. An ihrer Stamm-Ladättere flattert ein schwarzer Trauerflor ? so wie es uns Meier III immer wieder in seinen Hüülgschichte beschrieben hat. Wir schauen himmelwärts. Und grüssen zu den Millionen Sternen, die da am Morgestraich-Himmel funkeln ? irgendwo ist einer neu aufgetaucht. Strahlender als die andern. Und einer, der die Eigenheiten der Fasnacht von höchster Stelle beschützen wird?
03.40 Uhr
Die Leute strömen über die Brücke ins Grossbasel. Ich ziehe (einmal mehr) gegen den Strom. Die Rheingasse ist fast wie ein Dorf. Still. Urgemütlich. Und fast menschenleer. Nur da und dort schaut jemand an einem Fenster, wie sich d Olymper aufstellen. Und der Laternenchef der jungen Garde stolz die Kerzen seiner Lampe anzündet. Einmal mehr müssen wir an Weihnachten denken ? Fasnacht ist immer ein paar Sekunden Weihnachten.
D Giftschnaigge lassen ihre USA-Lampe auch schon als perfektes Alibi in die Traumnacht leuchten, und bei den Runzlebiegern funkelt «Kunscht ? was sunscht!».
03.58 Uhr
Eisig klirrt das Blau der Schnurebegge in die sanfte Frühlingsnacht ? KALT, so lesen wir cool. Und dazu:
«Froog my jo nit wie?s mer goht
Y gseh vor lutter blau scho rot!»
Auch bei der Alten Garde der Schnurebegge herrscht «Yszyt» ? aber auch «höggschdi Zyt!». Schon dröhnt die Mikrofon-Stimme des Tambourmajors: «2 mool Morgestraich?!».
-minu in der Basler Zeitung vom 12.3.2003
genug rumgewälzt! Vo Pfuus war eh keine Rede. Erstens sind mir die drei Pfund Schoko-Trüffel, welche mir die Chaisen der Exquisite als «EVENT-itis» und SPINN-itis-Gag an einen Frühlingsast geknöpft und in die Dachkammer des Drei Könige geschickt hatten, wie betonierter Kleister in meinem Ranzen gelegen. (Sälber tschuld, worum muesch au alli uffs Mool ynehoovere?!) Und zweitens war auf den Strassen ein Saulärm. Von «heimeliger, gespenstischer Morgestraich-Nacht» keine Rede mehr. Seit die Beizen ihre Tore auf den Vier-Uhr-Schlag hin offen halten, wird die sonst 362 Nächte dahindösende City zur schrillen Wumba-Wumba-Disco. Spätestens um ein Uhr morgens grölen sie das FCB-Lied und eine Stunde später die österreichische Nationalhymne. Na wunderbar! Als sie dann aber noch vor dem Spiegelhof mit dem Schunkellied «Am Rosenmontag bin ich geboooren» anfingen, da habe ich es keine Sekunde mehr auf meinem Kissen ausgehalten. Zusammen mit 10 000 Landschäftlern habe ich mich auf die Socken zum Morgestraich gemacht.
03.00 Uhr
es wäre kein Morgestraich, wenn wir nicht bei der Schifflände dem Wetterhäuschen die Reverenz erweisen würden. Der Hygrometer steht auf 66 «Feuchtigkeit» (mag sein, dass da noch die ersten Bierwolken der Übernächtigten zu Buche schlagen), das Thermometer steht bei piccolofingertechnischen idealen 7 Grad. Und das Barometer auf «schönes Wetter!».
LUFTSPRUNG!
Wenn das keine Mega-Meteo-Voraussichten für eine wunderschöne Morgestraich-Nacht sind ? do gumpt e jeede Basler. Und wie tönt es aus der Muttenzer Kurve doch so schön: wer nicht vor Freude gumpt, isch kai Fasnächtler! Nun ja, zumindest in etwa?
03.15 Uhr
d Glunggi tragen ihre Lampen vor den Märt. Noch sind die Laternen zappenduster ? aber bei der Alten Garde ahnt man wunderschöne Sandsteintöne. Und somit auch den Engel über dem Münster ? da entziffern wir dann auch:
Bevor's am Morgestraich duet hoorne
lueg d Lampe aa ? dasch vorne!
Genau das machen wir. Und bewundern den Glunggi-Stamm, der ein heikles Thema mit viel Fingerspitzengefühl angeht: urbi et paedophili. Auf der Laterne wird ein Kind im Regen stehen gelassen. Ein kleines Mädchen schaukelt auf einer Rytty ? über ihm droht der Schatten eines Kirchenmannes:
Was s Zölibat uns lehre duet:
Flaischesluscht, die isch nit guet
(doch derfsch dy nit an Froide laabe
gryffsch hungrig denn ze Mäss-Choorknaabe).
Da läufts einem kalt den Rücken herunter ? wie auch bei den Basler Dybli. An ihrer Stamm-Ladättere flattert ein schwarzer Trauerflor ? so wie es uns Meier III immer wieder in seinen Hüülgschichte beschrieben hat. Wir schauen himmelwärts. Und grüssen zu den Millionen Sternen, die da am Morgestraich-Himmel funkeln ? irgendwo ist einer neu aufgetaucht. Strahlender als die andern. Und einer, der die Eigenheiten der Fasnacht von höchster Stelle beschützen wird?
03.40 Uhr
Die Leute strömen über die Brücke ins Grossbasel. Ich ziehe (einmal mehr) gegen den Strom. Die Rheingasse ist fast wie ein Dorf. Still. Urgemütlich. Und fast menschenleer. Nur da und dort schaut jemand an einem Fenster, wie sich d Olymper aufstellen. Und der Laternenchef der jungen Garde stolz die Kerzen seiner Lampe anzündet. Einmal mehr müssen wir an Weihnachten denken ? Fasnacht ist immer ein paar Sekunden Weihnachten.
D Giftschnaigge lassen ihre USA-Lampe auch schon als perfektes Alibi in die Traumnacht leuchten, und bei den Runzlebiegern funkelt «Kunscht ? was sunscht!».
03.58 Uhr
Eisig klirrt das Blau der Schnurebegge in die sanfte Frühlingsnacht ? KALT, so lesen wir cool. Und dazu:
«Froog my jo nit wie?s mer goht
Y gseh vor lutter blau scho rot!»
Auch bei der Alten Garde der Schnurebegge herrscht «Yszyt» ? aber auch «höggschdi Zyt!». Schon dröhnt die Mikrofon-Stimme des Tambourmajors: «2 mool Morgestraich?!».
-minu in der Basler Zeitung vom 12.3.2003
Cyberwriter - 11. Mär, 14:15 - Basler Fasnacht
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