Zyschdig - E Wunderdaag
Zyschtig? das ist der Wunderguggetag. Angefüllt mit tausend suursiesse Dääfeli. Mit tausend Surprises. Und mit tausend Freuden.
Irgendwo ist ein goldenes Ringlein versteckt ? der Gipfel allen Glücks. Denn Zyschtig ist der Tag, wo das Glück funkelt. Wo jeder für ein paar Stunden all das ausleben kann, was er sonst in sein Korsett einschnürt. Und wofür das Fasnachtsleben sich lohnt.
Zyschtig ist ganz einfach der Rahmtupfer auf dem Caramelköpfli, der gefüllte Bolle auf der St.-Honoré-Torte oder die Mandeln auf dem Kugelhopf ? Zyschtig ist das Mimpfeli-Glück, das man sich nur im Paradies holen kann.
08.00 Uhr? wir sind früh unterwegs. Mit Schädelbrummen. Und mit einer Blase am linken Fuss. AUSGERECHNET! Nichts gegen BLASEN! Aber doch nicht an einer Fasnacht.
Gestern Nacht habe ich sie das erste Mal gespürt. Eklig. Stechend. Dann bin ich wie der Glöckner von Notre Dame nach Hause gehumpelt. Und spürte wie die arme Seejungfrau tausend Messer in den Füssen. Nun gut. Seejungfrau ist etwas zu stark ins Zarte gegriffen. Sagen wir mal wie eine alte fette Seekuh.
Endlich aus den Stützstrümpfen sah ich die Bescherung ? zündrot wie ein Waggiszinken funkelte das Übel direkt auf der Ferse. Soll sich noch einer einen Zyschtigs-Vers darauf reimen ? vermutlich ist alles das Resultat eines total ausgelebten Montags. Denn so einen Bilderbuch-Mäntig gibts nur alle 100 Jahre einmal. Der musste bis zum letzten Räpplitropfen ausgekostet werden.
Nun hinke ich also zum Apotheker. Und will etwas gegen Blasen.
«Aufstechen!», sagt der. Mit den Blasen ist es wie mit den meisten Übeln dieser Welt ? man wird ihrer nur Herr, wenn man hineinsticht. Das Böse rausdrückt. Und dann verheilen lässt? Der Mann im weissen Kittel überlegt. «Mit den Blasen ist es doch wie mit der Fasnacht und den Sujets ? wir müssen das Böse aufstechen, um Luft zu schaffen?» Meine Lieben ? die Zyschtigs-Fasnachtswelt findet auf meiner linken Ferse statt!
09.00 Uhr? natürlich ist Zyschtig der Tag der Kinder. Seit acht Uhr morgens macht mich eines davon beim Spiegelhof wahnsinnig. Unbeirrt und mit seligem Lächeln im Waggis-Goschdym verhämmert es seine Läckerlibüchse und macht mehr Krach als drei Guggekonzerte. Der kleine Binggis ist mutterseelenalleine. Die Leute gehen lächelnd an ihm vorbei ? denn eigentlich hat der Zyschtig noch nicht so richtig begonnen. Aber vermutlich hat der Gnääggis einfach nicht mehr warten können. Und ist von zu Hause abgehauen.
Ich sehe nun wie ein Polizist sich zum Buben bückt. Der Kleine unterbricht keine Sekunde. Er würdigt den Uniformierten keines Blickes ? der Schugger zuckt die Schultern und guckt etwas verlegen zum Streifenwagen und den Kollegen, die auf ihn warten. Dann hüpft er wieder ins Auto zurück. Nun schaut der Binggis von seiner Läckerlibüchse auf. Und fiept dem Streifenwagen zu: «Dasch dängg unsere Daag ? do dörfe mer mache, was mer wänn, jawoll!»
Zyschdig ? ist die erste Lernstunde zur Anarchie.
10.30 Uhr? treffe Peter, den Fotografen mit dem Armbrust-Gütezeichen. Wir wollen die Zyschtigs-Kür fotografieren, diesen Moment des Glücks ? des Feuerwerks an Spass und Kindseins. Denn Zyschtig ist immer dieser Sprung zurück in die Bubenzeit.
Der Wirtschafts-CEO, ansonsten ein grässlich pedantisches Schwein, hat einen Freipass für wenige Stunden Glück: nun kauert er vor einem Dolen-Löchli und gluggert mit englischen Glasmurmeln wie vor 50 Jahren: «Ainerli letscht!», brüllt er verzückt und entrückt seinen Cliquen-Kollegen zu.
Zyschtig macht aus CEO-Ratten verspielte Mäuschen. Die Fasnacht hält ? wie die gute Fee in Cinderella ? den Zauberstab über alles und alle. Doch Achtung ? irgendwann schlägt die Uhr. Und der Zaubertag ist vorbei. Zurück bleiben ein gläserner Glugger. Zurück bleibt vielleicht auch ein ganz kleines Quäntchen mehr Verständnis für alle diejenigen, die nicht immer den Fasnachtszyschtig ausleben können?
-minu
Irgendwo ist ein goldenes Ringlein versteckt ? der Gipfel allen Glücks. Denn Zyschtig ist der Tag, wo das Glück funkelt. Wo jeder für ein paar Stunden all das ausleben kann, was er sonst in sein Korsett einschnürt. Und wofür das Fasnachtsleben sich lohnt.
Zyschtig ist ganz einfach der Rahmtupfer auf dem Caramelköpfli, der gefüllte Bolle auf der St.-Honoré-Torte oder die Mandeln auf dem Kugelhopf ? Zyschtig ist das Mimpfeli-Glück, das man sich nur im Paradies holen kann.
08.00 Uhr? wir sind früh unterwegs. Mit Schädelbrummen. Und mit einer Blase am linken Fuss. AUSGERECHNET! Nichts gegen BLASEN! Aber doch nicht an einer Fasnacht.
Gestern Nacht habe ich sie das erste Mal gespürt. Eklig. Stechend. Dann bin ich wie der Glöckner von Notre Dame nach Hause gehumpelt. Und spürte wie die arme Seejungfrau tausend Messer in den Füssen. Nun gut. Seejungfrau ist etwas zu stark ins Zarte gegriffen. Sagen wir mal wie eine alte fette Seekuh.
Endlich aus den Stützstrümpfen sah ich die Bescherung ? zündrot wie ein Waggiszinken funkelte das Übel direkt auf der Ferse. Soll sich noch einer einen Zyschtigs-Vers darauf reimen ? vermutlich ist alles das Resultat eines total ausgelebten Montags. Denn so einen Bilderbuch-Mäntig gibts nur alle 100 Jahre einmal. Der musste bis zum letzten Räpplitropfen ausgekostet werden.
Nun hinke ich also zum Apotheker. Und will etwas gegen Blasen.
«Aufstechen!», sagt der. Mit den Blasen ist es wie mit den meisten Übeln dieser Welt ? man wird ihrer nur Herr, wenn man hineinsticht. Das Böse rausdrückt. Und dann verheilen lässt? Der Mann im weissen Kittel überlegt. «Mit den Blasen ist es doch wie mit der Fasnacht und den Sujets ? wir müssen das Böse aufstechen, um Luft zu schaffen?» Meine Lieben ? die Zyschtigs-Fasnachtswelt findet auf meiner linken Ferse statt!
09.00 Uhr? natürlich ist Zyschtig der Tag der Kinder. Seit acht Uhr morgens macht mich eines davon beim Spiegelhof wahnsinnig. Unbeirrt und mit seligem Lächeln im Waggis-Goschdym verhämmert es seine Läckerlibüchse und macht mehr Krach als drei Guggekonzerte. Der kleine Binggis ist mutterseelenalleine. Die Leute gehen lächelnd an ihm vorbei ? denn eigentlich hat der Zyschtig noch nicht so richtig begonnen. Aber vermutlich hat der Gnääggis einfach nicht mehr warten können. Und ist von zu Hause abgehauen.
Ich sehe nun wie ein Polizist sich zum Buben bückt. Der Kleine unterbricht keine Sekunde. Er würdigt den Uniformierten keines Blickes ? der Schugger zuckt die Schultern und guckt etwas verlegen zum Streifenwagen und den Kollegen, die auf ihn warten. Dann hüpft er wieder ins Auto zurück. Nun schaut der Binggis von seiner Läckerlibüchse auf. Und fiept dem Streifenwagen zu: «Dasch dängg unsere Daag ? do dörfe mer mache, was mer wänn, jawoll!»
Zyschdig ? ist die erste Lernstunde zur Anarchie.
10.30 Uhr? treffe Peter, den Fotografen mit dem Armbrust-Gütezeichen. Wir wollen die Zyschtigs-Kür fotografieren, diesen Moment des Glücks ? des Feuerwerks an Spass und Kindseins. Denn Zyschtig ist immer dieser Sprung zurück in die Bubenzeit.
Der Wirtschafts-CEO, ansonsten ein grässlich pedantisches Schwein, hat einen Freipass für wenige Stunden Glück: nun kauert er vor einem Dolen-Löchli und gluggert mit englischen Glasmurmeln wie vor 50 Jahren: «Ainerli letscht!», brüllt er verzückt und entrückt seinen Cliquen-Kollegen zu.
Zyschtig macht aus CEO-Ratten verspielte Mäuschen. Die Fasnacht hält ? wie die gute Fee in Cinderella ? den Zauberstab über alles und alle. Doch Achtung ? irgendwann schlägt die Uhr. Und der Zaubertag ist vorbei. Zurück bleiben ein gläserner Glugger. Zurück bleibt vielleicht auch ein ganz kleines Quäntchen mehr Verständnis für alle diejenigen, die nicht immer den Fasnachtszyschtig ausleben können?
-minu
Cyberwriter - 13. Mär, 14:24 - Basler Fasnacht
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